Kategorie: Texte & Geschichten
Sterben lassen
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Zitternd legst du den Hörer auf. Kannst nicht sprechen, willst nicht sprechen, aber du siehst mich an und dein Blick sagt mir alles. Alles was ich wissen muss. Was ich nicht wissen will, was niemand wissen will, aber jetzt weiß ich es und weiß doch nichts. Ich drehe mich um und gehe nach draußen. Will nicht, dass du siehst wie ich weine. Will nicht, dass du siehst wie der über die Wochen aufgebaute Schutzwall um mich herum zu bröckeln beginnt, rissig wird, Stück für Stück zusammenbricht und einfach nur noch ich dastehe, klein und allein in einer viel zu großen Welt. Kloß im Hals sagt man zu diesem Gefühl, wenn das zwanghafte Schlucken beginnt und der Atem für eine kurze Zeit stillsteht. Ich habe einen Kloß im Hals. (weiter)
Auf offene Ohren stoßen
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| Does it? (Foto: Toban Black) |
Erfolg ist eine komische Sache, vor allem im Internet. Der eine hat Glück, wird zum richtigen Zeitpunkt von den richtigen Leuten verlinkt und schon ist er erfolgreich. Der andere arbeitet und arbeitet und arbeitet und der Erfolg hält sich trotzdem in Grenzen. Es ist das ein Phänomen, das die Ergebnisse unserer Arbeit im Netz stark beeinflusst. Die Ergebnisse, aber in den meisten Fällen nicht – und hier wird es interessant – die Arbeit als solche. Unbekannte Blogger, Musiker, Podcaster und andere Kreative liefern in vielen Fällen eine genauso gute Arbeit ab, wie ihre großen Kollegen, ungeachtet dessen, dass sie nur wenig Feedback, Besucher, Geld, was auch immer kriegen. Der Erfolg ist also nicht der Grund aus dem viele von uns das, was sie machen, machen. Auch wenn wir uns sicherlich über ihn freuen. (weiter)
The Beat
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Aber der Beat in meinem Kopf geht weiter. Schlag auf Schlag, Ton auf Ton, die Musik läuft und ist mit sich selbst im Reinen. Ich bin mit mir selbst im Reinen. Laufe die Straßen entlang, über die Felder und genieße das Leben mit jedem Atemzug. Die Sonne geht unter, die Wärme bleibt, ich laufe weiter. Weiter nach vorne, nicht um als erster da zu sein, sondern weil ich bin. Weil die Musik ist, weil sie in mir ist und weil sie mich antreibt. Ein Motor mit 2000PS, umweltfreundlich und ohne Nebengeräusche. Leistungsstark, lebendig. Vor allem lebendig. Mal ein rasender Zug, der einfach nicht inne hält, mal ein plätschernder Bach, sanft und ohne Hast. (weiter)
Roll, roll, roll!
Wir waren Kinder. Sind zusammen über Wiesen gerannt, Hand in Hand gelaufen bis es nicht mehr ging und wir auf dem Boden lagen, keuchend und glücklich. Haben Fußball gespielt in der Sommerhitze und uns mit Gartenschläuchen über das Gras gejagt. Waren mitten in der Stadt im Brunnen baden und haben danach auf Mauern sitzend Eis geschleckt. Wir haben gegen andere Ritter gekämpft und Frösche in Bächen gefangen, sind Rutschen gerutscht und auf Klettergerüste geklettert und wir haben Drachen steigen lassen im frischen Herbstwind. Wir sind mit dem Schlitten ins Tal gerodelt, gestürzt und wieder aufgestanden. Haben uns mit Schneebällen beworfen und uns gegenseitig eingeseift, bis das Zittern uns zurück ins warme Zuhause getrieben hat. Dort haben wir heißen Kakao getrunken und Kekse gegessen. Jede Menge Kekse. Wir waren mit der wilden 13 auf hoher See und mit Michel im Schneesturm. Haben schneller als unsere Schatten gezogen, Zaubertrank getrunken und sind im Geldspeicher geschwommen. Waren im Zoo um Löwen und Elefanten zu bestaunen. Wurden getröstet, wenn wir nachts nicht schlafen konnten und aufgehoben, wenn wir gefallen sind. Wir haben geträumt vom Disneyland und von dem Spielzeug aus der Werbung. Wir haben geträumt von Pferden und Hunden und Katzen. Wir haben geträumt. (weiter)
Will dich nicht beschimpfen,
will mich nicht beklagen,
will nicht ‘rum motzen
ich will dir was sagen.
Einfach nur Worte,
könnte man meinen,
ja vielleicht sind’s nur Worte,
vergleichbar mit Steinen.
Doch für mich ist es mehr,
kein plumpes Gelaber,
für mich ist’s die Welt,
und wenn du sagst aber,
sag ich dir wieso
und weshalb und warum,
ich nenn’ dir die Gründe.
Ganz wortlos und stumm,
zähl’ ich sie dir auf,
ich spreche mit Blicken
es geht runter und rauf,
und dann gibt’s ein Klicken.
Ein Klicken in deinem Kopf,
genau das ist mein Ziel.
Den Schalter umlegen,
mehr will ich gar nicht.
Mehr will ich gar nicht.
Dein Absturz
Deine Worte, groß und bunt,
Stiche – scharf – aus deinem Mund,
Stechen tief mit Messers Schneide,
In der andern Eingeweide.
Stich auf Stich, so geht es weiter,
Rammst das Messer froh, ja heiter,
Dein Gegenüber blutet stark,
Du scheißt drauf, weil’s die Masse mag.
Jeder Schlag ein Wall aus Hass,
In die Fresse, das macht Spaß,
Bis sich einfach nichts mehr rührt,
Denn das Feuer ist geschürt.
Doch irgendwann ist es soweit,
Dann ist’s vorbei mit diesem Leid,
Dem dummen Hass und deiner Macht,
Die eiskalt auf’s Reale kracht.
Und dann, sei dir gewiss, du Spinner,
Dann klau’n wir dir den Fallschirm, Springer.
Querschläger
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Eigentlich mag ich gar keine Amokläufe. Die ganzen Menschen die sterben, tote Leichen am Boden und irgendwo eine Katze, die von einem Streifschuss getroffen über den Bordstein humpelt, den offenen Kanaldeckel nicht sieht und einfach in den Gully fällt.
„Scheiße!“, denkt sie sich, als sie mit einem lauten Knall auf dem Wasser aufkommt und untergeht. „Scheiße!“, denkt sie sich, als sie versucht wieder aufzutauchen, aber es nicht kann, weil ihr Schwanz sich im Kanalboden verklemmt hat. „Scheiße!“, denkt sie sich, als sie merkt dass all ihr Sauerstoff verbraucht ist und sie reflexartig den Mund öffnet. Doch kurz bevor sie erstickt, reißt ihr Schwanz ab – endlich mal eine positive Wendung an diesem Scheißtag. Sie paddelt an die Wasseroberfläche. Scheiße. Überall nur Scheiße. An den glitschigen Kanalwänden kann sie sich nicht festhalten, also lässt sie sich einfach treiben und treibt, und treibt, und treibt echt weit treibt sie, aber irgendwann wird es hell und sie landet im Meer. (weiter)
Der Weg ist das Ziel
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| Foto von sunbeamy |
Renn weiter vorwärts. Du weißt doch, du hast keine Wahl. Vorne wartet das Gute – Glück, Liebe, Spaß, alles vereint. Sitzt du manchmal da und denkst dir, dass alles irgendwann besser wird? Denk nicht, spring auf. Spring auf und renn so schnell wie du kannst, denn nur die Ersten werden ernten, auch wenn die Letzten sähen. Nur wenn du rennst wird es auch besser werden, aber pass auf die anderen auf. Links und rechts von dir laufen sie, manche auch vor und hinter dir. Pass auf und schlag sie nieder. Lass dich nicht überholen, sei selbst der Überholende. Denn in diesem Spiel geht es um dich und du willst doch jemand sein! (weiter)
Real Real Life
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| Ein echter Panzer (Foto: MATEUS_27:24&25) |
Keuchend rennt er weiter. Sprintet so schnell er kann über das leere Feld und wirft sich mit letzter Kraft hinter das schützende Gebüsch am Waldrand. Jetzt erst einmal tief durchatmen, die Waffen nachladen. Vorsichtig schielt er zurück auf das Fabrikgebäude, sucht es nach einem Lebenszeichen seiner Leute ab, doch anscheinend hat den Überraschungsangriff niemand außer ihm überlebt. Verbittert wirft er eine seiner Pistolen ins Gras – das Magazin ist leer, seine letzten Kugeln stecken jetzt wohl in den beiden Köpfen der zwei Gegner, die ihn vom Dach aus attackiert haben. Langsam beruhigt sich sein Puls wieder, doch die Spannung fällt nicht von ihm ab. (weiter)
Hassliebe
Wenn es draußen regnet und stürmt,
Ein Gewitter die Umwelt zerwürmt,
Und wir alle nur noch sitzen und wachen,
Dann kommst du und bringst mich zum Lachen.
Wenn die Welt den Bach ‘runtergeht,
Ab und davon und vom Winde verweht,
Und jedem ist klar, wir haben Probleme,
Bist du es, von dem ich mir Heiterkeit nehme.
Wenn der Rest einfach stur und nüchtern berichtet,
Klanglos auf jegliche Farben verzichtet,
Und du plötzlich kommst, mit dem schallenden Horn,
Dann lache ich und denk’ mir noch ist nichts verlor’n.
Wenn auf diesem Planeten Menschen sterben,
Aneinander gereiht liegen, in eisernen Särgen,
Und ich schau dir zu, wie du alles verbreitest,
Auf der Würde der Toten ohne Schamgefühl reitest,
Die Leser in Massen auf den Lügenpfad leitest,
Ja liebe BILD-Zeitung, dann wird mir schlecht,
Und in Gedanken trete ich dir in dein Gemächt.









