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Kategorie: Texte & Geschichten

Ich stehe auf, reibe mir die Augen. Versuche das Salz herauszureiben, es von meinen Augäpfeln zu wischen und für immer los zu werden. Immer mehr reibe ich und verteile die kleinen Körnchen auf der Hornhaut. Es brennt wie Hölle. Oder wie viele kleine Messerstiche, die mein Augenlicht langsam aber sicher ins Jenseits befördern, es erstechen und nicht mehr zurück kommen lassen.

Ich beginne zu laufen, renne einfach los und sehe nur verschwommen. Weiche fremden Gegenständen aus und weiß nicht, ob es Autos, oder doch nur Mülltonnen sind. Angst kommt in mir hoch, macht mich rasend und ich laufe schneller. So schnell wie der Wind, der mir durch das Gesicht bläst, aber die kleinen Körnchen nicht mit sich nimmt, sondern nur noch tiefer in die hintersten Ecken meiner Augen drückt. Das Brennen wird stärker, nimmt mit jedem Herzschlag zu, wächst wie ein gigantischer Luftballon, der jeden Augenblick platzen muss. Doch es platzt nichts, es brennt.

Und dann bleibe ich stehen. Verzweifelt bleibe ich stehen, spüre meinen schnellen Atem, den unruhigen Herzschlag. Und fange an zu weinen. Langsam rollen die Tränen meine Wangen hinunter, eine nach der anderen. Sie wandern über meine Zunge, schmecken nach Salz. Nach viel Salz. Meine Augen werden frei, die Sicht wird wieder klar. Das Brennen lässt nach, was für eine Erleichterung. Und plötzlich, ganz plötzlich fange ich an zu lachen.

Mein Beitrag zum aktuellen Projekt 42 mit dem Schlagwort “Salz”.

Vorwort: Ein kleiner Text zu einem Thema, das mich zur Zeit sehr beschäftigt. Das vielleicht jeden irgendwann beschäftigt und von dem man nicht lassen kann. Ein Thema, das Angst macht.

Gedanken zum Tod

Der Mensch ist sterblich. Er muss sterben, wann auch immer, einfach sterben und dann? Vielleicht ist es aus. Vielleicht ist es aus, man ist raus, für immer draussen aus dem Leben und hat keine Sorgen mehr. Ist einfach draussen, ohne Erkenntnis, ohne Gedanken, ohne zu schwanken und ohne zu sein. Für die anderen ist man dann gewesen, bloße Vergangenheit und für sich selbst ist man nicht. Ist nicht. Wie ist es, nicht zu sein? Ein Schlaf, der endlose Schlaf, endgültig und aus? Die letzte Ruhe, doch ruhelos, weil nicht ruhen kann, was nicht ist? Das große Finale, ohne Zurück, doch wenn es soweit ist, stört es nicht?

Ja, wenn es soweit ist, stört es nicht. Es ist egal, ob es aus ist, denn es ist nicht aus. Es ist einfach nicht. Nichts. Vielleicht ist der Tod nicht das Problem. Nicht der Tod, nicht das Nichtsein, sondern das Sein. Obwohl: keiner von uns war immer. Alle sind wir neu hier, neu und wissen all zu gut, wie es ist, nicht zu sein. Denn wir waren nicht. Waren ewig nicht und werden ewig nicht sein. Wir werden gehen, wie wir gekommen sind, ein jeder von uns, und am Ende wird es keine Fragen mehr geben. Keine Fragen mehr, denn die einzige Frage wird beantwortet werden, in dem sie nicht beantwortet wird.

Und dann stellt sich die Frage: was ist besser? Diese Endlichkeit, oder die Unendlichkeit, die oft gepredigt wird? Begreifen kann man beides nicht. Nur, vielleicht muss man nicht begreifen. Muss nicht begreifen, weil nicht begriffen werden kann und dann muss man nicht sterben. Man kann sterben. Oder darf sterben?

Sterben dürfen, das wäre schön. Nicht mit zehn bei einem Autounfall und nicht mit 50 an Krebs. Nicht mit 20 am Blitzschlag und nicht mit 40 an Aids. Nicht mit 15 beim Amoklauf und nicht mit 25 bei einer Messerstecherei. Nicht mit 35 bei einem Flugzeugabsturz und nicht mit 45 bei einer Gasexplosion. Sondern dann, wenn man bereit ist. Fertig auf Erden, alles geregelt, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Ruhig, ganz ruhig und zufrieden, mit dem Wissen, nicht alles getan zu haben, aber doch am Leben gewesen zu sein. Ja mit dem Wissen, gelebt zu haben.

Filmgedicht #4

2010 2 Mrz
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Nachdem ich das Filmgedicht jetzt wochenlang habe schleifen lasse, dachte ich mir heute, es wäre doch mal wieder an der Zeit. Dabei habe ich mich dieses Mal ausnahmsweise eines kleinen Hilfsmittels innerhalb des Gedicht bedient und ein Wort optisch hervorgehoben, damit die erste Zeile etwas leichter wird.

Das finstere Grinsen schenkt nur Hohn,
Ein Löwe fällt von seinem Thron,
Gott ist eine Frau in Silber,
Plötzlich bewegen sich die Bilder.

Zwei Filme dürften ganz leicht zu erraten sein, bei den anderen beiden bin ich gespannt – aber vermutlich kommt es eh wieder anders und am Ende errät niemand den leichtesten Titel.

Lösung:
1. ungelöst
2. Der König der Löwen | gelöst von cimddwc
3. Dogma | gelöst von Henry
4. ungelöst
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Projekt 42: Wache

2010 21 Feb
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Wach auf. Faulpelz. Wach auf. Geh raus, raus in die Welt. Räum den Geschirrspüler aus, kauf dir neue Unterhosen, geh ins Stadion, und Abends auf die Geburtstagsparty. Am nächsten Tag ab in die Schule. Pass auf. Sei ruhig. Strebe. Schreib auf. Schreib alles auf. Und pass auf. Pass auf, hör zu. Geh einkaufen, arbeiten. Mach die Wäsche, saug den Staub, koch Nudeln und Sauce und mach den Salat. Mach die Hausaufgaben, lern auf die Klausur, lies. Lies Zeitung und Bücher und Zeitung und interessiere dich. Hilf deinem Freund! Hilf deiner Freundin! Bring den Müll raus! Geh arbeiten, lass dich ausbilden. Werde Soldat, geh schießen. Und rennen. Und kochen. Mach. Studier. Studier alles. Und lern. Geh arbeiten und studier und such dir nen Job und vergiss deine Freundin nicht und deine Freunde und hilf ihnen und hilf ihnen allen. Geh arbeiten, steig auf, steig weiter auf und gründe ne Familie. Krieg Kinder, und lass sie machen. Lass sie machen und arbeite. Arbeite, arbeite, arbeite, arbeite. Und denk gar nicht daran, eine Pause zu machen, Arschloch, bleib wach. Arschloch, bleib wach.

Mein Beitrag zur aktuellen Runde des Projekt 42.

Poetry Slam in der Podium.bar

2010 19 Feb
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Morgen ist es wieder so weit: der Poetry Slam in der Ulmer Podium.bar geht in die n-te Runde. Für alle, die nicht hinkommen, habe ich hier mal zwei Auftritte der letzten Slams herausgesucht. weiterlesen… »

Der Moment

2010 3 Feb

Und dann ist unten oben,
Alles dreht sich, in die Länge gezogen,
Schießt langsam vorbei, weiß nicht,
Was los ist – doch genau das macht es aus.

Allein, in der Masse zufrieden,
Glücklich zerrieben,
Ein kleinwenig Licht,
Erleuchtet die Welt.
Was man davon hält,
Dass es alles durchbricht,
Ist unwesentlich.

Denn der Moment fürs Halten,
Der ist nicht gekommen.
Viel eher ist alles das bald schon zerronnen,
Zerronnen, oder auch nicht,
Dieses wohlige, glänzende Licht.

Gerade hat Horst im Chat zu Konnas Livestream einen kleinen Reim aus Flüssen gebastelt, den ich gleich fortführen wollte. Herausgekommen dabei ist das folgende Gedicht – viel Spaß damit!

Inn die Donau fällt man Rhein,
Oder nicht, dass kann schon Seine,
Einmal Saar ich sie nicht gut,
Mein Hund an der Leine zog.

Meine Lippen waren Blau,
Sauer war ich danach sehr,
Und im Magen wurd mir flau,
Denn es spülte mich ins Meer.

Ach Main Gott, was ich hier schwafel,
besser ich halt meine Havel,
Neckar hier nicht weiter rum,
Und a Ruhr is, dumdidum.

Die Auflösung des Gedichts gibt es nach dem Link. weiterlesen… »

Filmgedicht #3

2009 8 Dez
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Es ist Dienstag, kurz vor drei, der Winterreifenwechsel steht an und das dritte Filmgedicht ist da. Wer das erste Mal dabei ist, der kann sich am Ende des Beitrags die Regeln durchlesen – in diesem Sinne: auf geht’s und viel Spaß!

Fürs Fische fangen gibt’s nen Prügelstock,
Das Karussel geht ab nach vorn,
Ein kluger Depp im Rettungszuge hockt,
Der rote Stier, er jagt das Horn.

Lösung:
1. Mein Name ist Nobody | gelöst von tom
2. Mary Poppins | gelöst von cimddwc
3. Zug des Lebens | gelöst von Sebastian
4. Das letzte Einhorn | gelöst von Liliana & cimddwc
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Filmgedicht #2

2009 1 Dez
Abgelegt unter: Texte & Geschichten | RSS 2.0 | TB | Schlagwörter: , , | 29 Kommentare

Es ist Dienstag, 15:00Uhr und somit Zeit für die zweite Folge des Filmgedichts. Um die Sache für jeden verständlich zu machen, habe ich mir das Regelwerk von Julias Liedzeilen-Quiz angeschaut und wie sie am Ende des Beitrags die Regeln zusammengefasst. Noch Fragen? Gut, dann geht’s jetzt los! Und wer Lust hat kann auch beim Bilderrätsel von cimddwc mitmachen, das seit 16:00Uhr läuft.

Die letzte Lösung ist das Pferd,
Zum Billard geht’s mit Herzinfarkt,
Die gelbe Stadt wird eingesperrt,
Der Ami gerne Bomben mag.

Lösung:
1. Troja | gelöst von Manuel
2. Alles auf Zucker! | gelöst von cimddwc
3. Die Simpsons – Der Film | gelöst von cimddwc
4. Bowling for Columbine | gelöst von Julia
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Die Hoffnung stirbt nie

2009 29 Nov
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Und dann steht er auf. Steht auf von der Bank, auf der er nichts mehr erwartet hat. Steht auf von der Bank, auf der er alles erwartet hat und geht los. Einfach los, Richtung U-Bahn und fragt sich, wieso Menschen hoffen. Wieso Menschen hoffen, wieso er hofft, gehofft hat und immer noch hofft obwohl die Hoffnung am Ende doch sowieso nichts mit sich bringt, außer einer kalten Dusche im kalten Regen. Er weiß es nicht. Denn obwohl er weiß, dass das Hoffen vergebens ist, dass es schon immer vergebens gewesen ist hat er doch immer weiter gehofft und gewusst und gehofft und gewusst, dass es nichts bringt.

Auf der anderen Straßenseite steht ein kleines Kind. Ein kleines Kind mit Familie, Kind, Vater, Mutter, Kind und alle drei strahlen sie und lachen und strahlen und er weint. Die Tränen rollen ihm die Backen entlang, eine nach der anderen. Eine Träne für jede Stunde, die er gewartet hat. Eine Träne für jeden Tag, den er gewartet hat. Eine Träne für jedes Jahr, das er gewartet hat und noch viel mehr Tränen. Träne um Träne, alle laufen sie hinunter und er läuft und läuft weiter, einfach weiter.

Und dann hört er auf. Hört auf zu laufen, hört auf zu weinen. Liegt auf seinem Balkon und schaut in den Nachthimmel. Er sieht die Sterne und er denkt an das Kind und an die Bank und an heiße Schokolade im Winter. Und er fragt sich, wieso er das tut. Fragt sich, wieso er weiter macht, immer weiter macht und nicht einfach aufhört. Und dann begreift er. Begreift, warum er hofft, jeden Tag aufs Neue hofft und schaut in den Himmel. Schaut in den Himmel und hofft.


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