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Folteropfer (Foto: Freeze gegen Folter)

Folter ist keine Randerscheinung

Weltweit wird jährlich in über 100 Ländern gefoltert. Hier in Deutschland bekommt die Bevölkerung nicht viel davon mit, da Folter in den Staaten, in denen sie stattfindet, nahezu in allen Fällen unter Ausschluss der Öffentlichkeit praktiziert wird – auch der Ausschluss der Medien versteht sich von selbst. Doch Opfer von Folter gibt es überall, nicht zuletzt in der Bundesrepublik. Außerdem kommt es in der BRD immer wieder zu Vorstößen die eine Aufweichung des Folterverbots in Deutschland erreichen wollen, beispielsweise bei Verhörmethoden im “Krieg gegen den Terror” oder im Fall des Mörders Markus Gäfgen.

In Europa haben wir zudem ein anderes Problem im Zusammenhang mit Folter. So dürfen EU-Mitgliedsstaaten Folterwerkzeuge zwar herstellen, aber nicht an Länder ausliefern, in denen gefoltert wird. Kluge Köpfe fragen sich da natürlich, wieso man die Werkzeuge dann überhaupt baut. Die Antwort: weil sie eben doch an diese Länder geliefert werden, nur eben über Umwege. Somit unterstützen aktuell über 30 deutsche Firmen aktiv Menschenrechtsverletzungen außerhalb Europas.

Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm

“Den Berichten zufolge, die Amnesty International vorliegen, sind von den in Deutschland lebenden Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden etwa 25% in ihren Heimatländern gefoltert worden.” (Quelle: amnesty-ulm.de)

Um diesen und weiteren Menschen zu helfen gibt es in Deutschland insgesamt 25 Behandlungszentren für Folteropfer, vier davon in Baden-Württemberg. Die Region zwischen Augsburg und Reutlingen bzw. zwischen Würzburg und Friedrichshafen wird vom Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) abgedeckt, das seit nunmehr 15 Jahren traumatisierte Menschen therapiert, die unter Folter oder Misshandlung gelitten haben. Seit seiner Gründung hat es über 1850 Klienten aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern geholfen, 2008 waren es insgesamt 145 Patienten von denen etwa die Hälfte aus Ulm und dem Alb-Donaukreis kam.

Rein theoretisch könnte man all diese Patienten auch in Psychotherapien schicken, praktisch sieht die Sache aber anders aus: die Opfer brauchen eine ambulante und dolmetschergestützte Psychotherapie. Die notwendigen Sprachübersetzungen verdoppeln die Dauer der Behandlung und werden von keiner Krankenkasse erstattet. Gleichzeitig sind die meisten Patienten auf eine nahe gelegene Versorgungsstelle angewiesen. Zum einen, weil nur so regelmäßige Therapien ermöglicht werden und zum anderen, weil es sich bei einem Großteil der Klienten um Asylbewerber handelt, die nicht frei reisen dürfen.

Finanzieller Kampf des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm

Durchschnittlich 123 Betreuungsfälle im Jahr haben ihren Preis und müssen finanziert werden. Dabei ist es offensichtlich, dass Flüchtlinge und Asylbewerber, die schwer gefoltert und misshandelt wurden, kein Geld zur Verfügung haben. Viel mehr benötigen auch sie finanzielle Unterstützung. Die Behandlungskosten – vornehmlich Personalkosten für Dolmetscher, Therapeuten, usw. – im BFU werden deshalb von Fall zu Fall verschieden mit Spenden aus der Bevölkerung, vom Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF), von Amnesty International oder auch mithilfe verschiedener Stiftungen gedeckt. Hilfe vom Staat gibt es für keines der 25 deutschen Behandlungszentren für Folteropfer, weshalb das Zentrum in Ulm finanziell angeschlagen ist und durchgehend für die eigene Finanzierung kämpfen muss.

Flyer: Freeze gegen Folter

“Freeze gegen Folter” und andere Aktionen

Zur Unterstützung des BFU ist ein Förderverein ins Leben gerufen worden, der versucht die Öffentlichkeit auf das Zentrum aufmerksam zu machen. Zudem zeigen sich auf der Webseite des Behandlungszentrums mehrere prominente Bürger – darunter der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner – mit der Einrichtung solidarisch. Ebenso wie 100 Menschen aus vielen deutschen Großstädten, aber auch aus Dänemark, Belgien und Taiwan, die an der Aktion “Gesicht zeigen – 100 Freunde für das BFU” teilgenommen haben*.

Weiterhin plant der Ulmer Bezirk von Amnesty International für den 26. Juni 2010 – dem Internationalen Tag zur Unterstützung der Opfer von Folter – einen Flashmob in der Ulmer Innenstadt. Bei einem ganz besonderen Freeze sollen Unterstützer des BFU sich als Symbol für Folter Taschen über die Köpfe ziehen und ihrer Hände auf dem Rücken verschränken – mehr dazu in der Team-Ulm-Gruppe Freeze gegen Folter, in der gleichnamigen Veranstaltungseinladung auf Facebook und natürlich auf der Webseite des Ulmer Amnesty-Bezirks.

Diese Aktion soll durch nachgehende Erwähnung in den regionalen Medien sowie durch die Verbreitung im Internet den Bekanntheitsgrad des BFU deutlich erhöhen und dadurch gleichzeitig für mehr potentielle Spender des Zentrums sorgen, die die zukünftigen Behandlungen von Folteropfern sicherstellen könnten.

Folteropfern muss geholfen werden

Die Folteropfer in und um Ulm sowie aus anderen Gebieten Deutschlands sind auf das Behandlungszentrum in Ulm angewiesen. Deshalb werden im Verlauf des Jahres sowohl vom Förderverein, als auch von Amnesty-Ulm weitere Aktionen zur Unterstützung des Zentrums stattfinden. Um auf ein Thema aufmerksam zu machen, das schrecklich und doch alltäglich ist. Viel alltäglicher, als man im ersten Moment vielleicht denken mag. Und “denken mögen” ist in diesem Fall wohl wirklich eine treffende Bezeichnung.

Quellen: BFU Ulm | Förderverein des BFU Ulm | Amnesty International – Bezirk Ulm | Amnesty International – Themenkoordinationsgruppe gegen Folter | Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF)

*der Link zu dieser Aktion wird nachgereicht, sobald sie online gegangen ist (aktuell sind die Bilder noch in Bearbeitung).

2 Kommentare

  1. Franko

    Da es in Deutschland ja keine Folter gibt,hat man als Deutscher Staatsbürger ein Problem !! Denn die 25 Behandlungzentren bekümmern sich ja um erster Linie um Flüchtlinge.Wenn ein Deutscher Staatsbürger Opfer wurde,dann hat er ein Problem!Oder meinen sie der Deutsche Staat gibt zu das hier gefoltert wird.

Pings

  1. [...] hat mich gebeten, auf die nicht angemeldete Demonstration den Flashmob am Samstag hinzuweisen. Unter dem Titel “Freeze gegen Folter” soll am 26.06. — dem Tag zur [...]

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