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Ken Follet: Die Tore der Welt

die-tore-der-welt“Die Säulen der Erde” von Ken Follet dürfte so ziemlich jeder kennen, der sich für Literatur interessiert. Das Buch ist ein Bestseller und das nicht ohne Grund: Der historische Roman lebt von einer unglaublichen Detailliebe und lässt das Mittelalter wie kaum ein anderes Werk wieder aufleben. Auch ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen und war von Follets Schreibstil fasziniert. Umso überraschter war ich, dass sein zweiter Band – “Die Tore der Welt” von 2008 – mehr oder weniger an mir vorbeigegangen ist. Ich habe ihn mir aber natürlich sofort zugelegt und ebenfalls verschlungen.

Darin geht es ebenfalls um die mittelalterliche Welt, um Architektur, die Macht der Kirche und des Adels. Schauplatz ist England, genauer gesagt Kingsbridge. Alles beginnt mit den vier Kindern Gwenda, Ralph, Caris und Merthin, deren Leben aus den unterschiedlichsten Gesichtspunkten beleuchtet und in der Erzählung aufgegriffen wird. Es spalten sich mehr oder weniger zwei Gruppen ab: Merthin und seine Geliebte Caris auf der einen Seite, Ralph als grausamer Part auf der anderen Seite. Sie müssen sich nicht nur mit diversen Liebschaften und Streitereien herumschlagen, sondern auch mit der Pest, die Kingsbridge erreicht.
Ken Follet gelingt es mit dieser Geschichte erneut, zu fesseln. Auf 1300 Seiten kreiert er eine Welt, der man sich nicht mehr entziehen kann und die man am liebsten in einem Stück durchlesen würde. Allerdings dürfte eifrigen Lesern auffallen, dass Sex im Allgemeinen deutlich stärker thematisiert wird. Für mich selbst ist dies nicht ganz nachvollziehbar, denn nach fast jedem Streit folgt eine Versöhnung, manchmal auch direkt dazwischen. Für die Handlung ist dies gänzlich unwichtig und nach einer Weile störend.

Und wenn wir schon beim Thema Kritik sind: Vieles aus Band 1 wiederholt sich in gewisser Weise. Seien es einzelne Figuren oder Ereignisse. Man hat schnell ein Déjà-vu, wenn man zum Beispiel die Geschichte von Gwenda liest. Sie erinnert ein wenig an Tom Builder, teilweise aber auch an Ellen. Beides Charaktere aus “Die Säulen der Erde”. Und das sind nicht die einzigen Parallelen. Wer Band 1 gelesen hat, könnte hier in gewisser Weise enttäuscht sein.

Dennoch: “Die Tore der Welt” ist ein spannender Roman, den man auch lesen kann, ohne den ersten Teil gelesen haben zu müssen. Es ist vielleicht sogar besser, wenn man ohne Vorkenntnisse an das Buch herangeht. Ein gewisses Maß an Interesse für das Mittelalter sollte allerdings vorhanden sein.

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