Projekt 42: Salz
Ich stehe auf, reibe mir die Augen. Versuche das Salz herauszureiben, es von meinen Augäpfeln zu wischen und für immer los zu werden. Immer mehr reibe ich und verteile die kleinen Körnchen auf der Hornhaut. Es brennt wie Hölle. Oder wie viele kleine Messerstiche, die mein Augenlicht langsam aber sicher ins Jenseits befördern, es erstechen und nicht mehr zurück kommen lassen.
Ich beginne zu laufen, renne einfach los und sehe nur verschwommen. Weiche fremden Gegenständen aus und weiß nicht, ob es Autos, oder doch nur Mülltonnen sind. Angst kommt in mir hoch, macht mich rasend und ich laufe schneller. So schnell wie der Wind, der mir durch das Gesicht bläst, aber die kleinen Körnchen nicht mit sich nimmt, sondern nur noch tiefer in die hintersten Ecken meiner Augen drückt. Das Brennen wird stärker, nimmt mit jedem Herzschlag zu, wächst wie ein gigantischer Luftballon, der jeden Augenblick platzen muss. Doch es platzt nichts, es brennt.
Und dann bleibe ich stehen. Verzweifelt bleibe ich stehen, spüre meinen schnellen Atem, den unruhigen Herzschlag. Und fange an zu weinen. Langsam rollen die Tränen meine Wangen hinunter, eine nach der anderen. Sie wandern über meine Zunge, schmecken nach Salz. Nach viel Salz. Meine Augen werden frei, die Sicht wird wieder klar. Das Brennen lässt nach, was für eine Erleichterung. Und plötzlich, ganz plötzlich fange ich an zu lachen.
Mein Beitrag zum aktuellen Projekt 42 mit dem Schlagwort “Salz”.
5 Kommentare
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Wunderschöner Text. Eine seltsame Mischung aus Poesie, Komik und Abstraktion. Schwer einzuordnen. Muss man ja aber auch nicht. Klasse Beitrag jedenfalls.
Pings
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[...] Moritz (Sockenblog) [...]




Wangen nicht Backen ;-)