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Roland Koch (das ist der Mann, der in zwei Monaten vielleicht Essensverbote für Hauptschüler mit einem Notendurchschnitt über 3,5 fordern wird) hat wieder einmal zugeschlagen und erneut auf eines seiner Lieblingsziele eingeprügelt: die Hartz-IV-Empfänger, die alle nicht arbeiten wollen und Deutschlands Staatskasse in den Ruin treiben. Koch forderte die Einführung einer Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger, damit die ihre aktuelle Situation auf keinen Fall ausnutzen können und nur faul auf der Haut liegen. Und was tut Kochs Partei? Sie stimmt ihm nicht offiziell zu, aber sie schweigt (und nickt hinter geschlossenen Türen).

Ich frage mich, ob dem Vorbild von Kristina Köhler irgendwann klar werden wird, dass wahnsinnig viele Hartz-IV-Empfänger unglaublich gerne arbeiten würden, aber einfach keine Arbeit finden. Statt die Menschen jetzt einfach mit irgendeinem Käse zu beschäftigen könnte man deshalb auch einfach versuchen, dort Arbeitsplätze zu schaffen, wo es dringend notwendig ist. Außerdem stellt Herr Koch ja schon selbst vollkommen richtig fest, dass es auch Empfänger von Hartz IV gibt, die ohne eigenes Verschulden arbeitslos geworden sind. Und diesen Leuten soll man einfach eine Arbeit aufzwingen? Herr Koch, jetzt mal ehrlich: wenn Sie selbst soviel Pech hätten, plötzlich keine Arbeit mehr und nur noch eine kleine Wohnung ohne alles für Sie und Ihre Familie, dann sagen Sie dem, der zu Ihnen kommt um Ihnen zu erklären, dass Sie ab jetzt das Klo im McDonald’s zu putzen haben wenn Sie weiterhin eine Unterstützung wollen, doch erst einmal klipp und klar, dass Sie verdammt nochmal die Arbeit wollen, für die Sie sich zwei Jahrzehnte lang qualifiziert haben – richtig? Nein, dass tun Sie selbstverständlich nicht. Sie putzen brav das Klo und dienen tapfer dem Staat…

Eines der Prinzipien unseres Landes ist der Sozialstaat, und das hat er auch zu bleiben. Laut Wikipedia wurden im Jahr 2006 26,4 Milliarden Euro für Hartz IV ausgegeben – das klingt nach viel, ist es aber im Vergleich zu anderen Ausgaben absolut nicht – wie war das noch mit den zehn Milliarden, die die Hypo Real Estate mal kurz vom Staat “geborgt” bekommen hat, um eine Woche weiter wirtschaften zu können? Achso, ich vergas: die Banken sind wichtig für die deutsche Wirtschaft, die Arbeitslosen nicht…

Und zum Schluss noch ein kleiner Gedanke am Rande: Wenn Arbeitslose arbeiten müssen, sind sie dann überhaupt noch arbeitslos?

9 Kommentare

  1. Jan

    Ich erinnere mich hier an einen Cartoon aus der Titanic mit dem Titel “Steinmeier schafft tausende Arbeitsplätze”: Steinmeier steht auf einer Bühne in einem an ein KZ erinnernden Arbeitslager, die Masse tummelt sich in gestreiften Klamotten, es werden Menschen in Käfigkarren angefahren. Frank-Walter hält zwei Gegenstände hoch, links ein Stein, rechts eine Tube Klebstoff. “Es ist ganz leicht”, sagt er, “die eine Hälfte zerschlägt die Steine, die andere klebt sie wieder zusammen.”

    Roland Koch ist unser Mann. Er wird Deutschland ins Glorreiche zurückführen und Grund zum Feiern geben. Lasst uns anstoßen auf Arbeitszwang, lasst uns scheißen auf Ausbildung, Qualifikation, Eignung und den ganzen Mist. Hauptsache Arbeit, nicht wahr?

    • Die Ausgabe liegt hier auch bei mir rum ;-)

      Zum Thema “Hauptsache Arbeit” verweise ich nur auf den erst kürzlich geklauten Schriftzug einer Gedenkstätte, die nichts mit Feiern und Frohsinn gemein hat ;)

  2. Jetzt warst du wohl schneller als ich. Von mir kommt auch gleich noch ein Artikel darüber!

  3. Jan

    Ganz recht. Vielleicht haben wir auch so viele Arbeitslose, weil sich die Generationen vor uns für einen Beruf ausbilden lassen haben, den es – danke, Fortschritt der Industrie – inzwischen gar nicht mehr gibt?

  4. FrequentlyWrongAnswers

    Erst kürzlich schrieb ich polemisch im Zementblog:
    “Am liebsten würde Kai es sehen, wenn die Krankenkassen privatisiert, die Autobahnen auf acht Spuren verbreitert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschafft und für Erwerbslose Arbeitslager eingerichtet würden.” Dafür wurde ich von einem sich als Liberaler bezeichnenden Blogger gefegt.
    Nachdem nun Herr Koch den nächsten Schritt auf diesem Weg gezeichnet hat, müssten Liberale empört aufschreien. Müssten. Eine der wichtigsten deutschen Unterstützer des chilenischen Pinochet-Regime war seinerzeit eine Schwesterorganisation der Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP. Wer Freiheit und sozialer Ausgleich will, muss sich vom Liberalismus verabschieden, will er glaubwürdig bleiben.

Pings

  1. [...] Roland Koch ist bekannt für seine herausragenden Äußerungen. Diesmal geht es um eine Arbeitspflicht für Erwerbslose – siehe auch im Sockenblog. [...]

  2. [...] da läuft doch alles prima. Stellt euch nur die große Zukunft vor – eine deutsche Nation mit Arbeitslagern (scherzhaft “Kochtöpfe” genannt) wider die Faulheit, mit Freiraum für jedermann [...]

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