Auch Zeitungen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Vielerorts ist ihnen ihre Auflage wichtiger als der Wahrheitsgehalt der Artikel und immer öfter kann man auch feststellen wie sich die Inhalte einzelner Blätter auf Inhalte konzentrieren, die man früher nur einem Klatschblatt entnehmen konnte. Ganz besonders auf dem absteigenden Pfad ist für mich Der Spiegel, in dem ich in den letzten Jahren immer weniger interessante Beiträge gefunden habe, weshalb ich ihn seit gut einem halben Jahr kaum noch anrühre. Und auch jetzt konnte das Magazin wieder ein paar satte Minuspunkte absahnen – aufgrund eines Artikels, der arroganter und flacher nicht sein könnte.
In diesem Beitrag schreibt Autor Nikolaus von Festenberg über das ARD und das ZDF, die sich – dreist wie sie sind – geweigert haben, die Trauerfeier zu Ehren Michael Jacksons in voller Länge zu senden. Dabei steigt er nicht nur vollkommen in die Hysterie um den toten King of Pop mit ein, sondern er nimmt es sich auch noch heraus, das öffentlich rechtliche Fernsehen für seine Entscheidung zu rügen. Am Ende seines Artikels heißt es dann:
Eine Gerechtigkeit ist es daher, dass n-tv und N24 überdurchschnittliche Quoten erzielten und die Öffentlich-Rechtlichen nur durchschnittliche.
Ich muss zugeben, dass ich seine Kritik schon vor diesem Satz als bodenlos und dumm eingestuft habe, aber soviel geballte Arroganz war mir dann doch zu viel. Dem Verfasser scheint nicht klar zu sein, dass der Sinn der Öffentlich-Rechtlichen genau darin liegt, nicht nur auf hohe Quoten aus zu sein und alles andere in den Hintergrund zu stellen. Genau deshalb ist es da, und wenn man als Journalist nicht in der Lage ist diesen einfachen Sachverhalt zu begreifen, dann sollte man die Bühne im Galopp verlassen und sich zurück in die Schule begeben – da lernt man sowas nämlich.
Das Gejammer des Autors über die Gefühlslosigkeit der Sender kann ich auch nicht nachvollziehen. Es ist doch nicht gefühlslos, eine Trauerfeier nicht komplett zu senden, wenn das sowieso schon fünfzigtausend andere Sender erledigen – ganz abgesehen davon, dass es auch Menschen gibt die mit dem ganzen Theater nichts zu tun haben wollen, weil sie sich nicht dafür interessieren.
Der komplette Artikel ist für mich ein Armutszeugnis seines Verfassers und der Zeitschrift. Aber manchmal muss man eben Dinge tun, die man nicht tun will – und wenn man der BILD-Zeitung ein paar Leser wegschnappen kann indem man sich unter ihr Niveau begibt, dann muss man das eben tun. Basta.
via fefe
22 Kommentare
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Obwohl ich Dir zustimmen muss, darf man nicht vergessen, dass man immer noch die meiste Aufmerksamkeit bekommt, wenn man völlig unreflektiert schreibt. Genau das hat der Autor des Textes getan. Und schon hat man sich dieses Geschreibsels angenommen…
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@Thearcadier: Du meinst also der Autor hat gebloggt oder?
Trotzdem ist SpOn leider ohne jede Alternative in Deutschland, ich hab mal probiert auf andere Nachrichtenseiten auszuweichen, aber musste mit Schrecken feststellen, dass die anderen Seiten noch viel schlechter sind
Wenigstens ist SpOn binnenpluralistisch, soll heißen, es kann durchaus sein, dass dort demnächst ein Beitrag erscheint, der genau das Gegenteil schreibt, was in diesem unsäglichem Artikel von Nikolaus von Festenberg steht.
Aber seien wir mal ehrlich, ob TV-, Kino oder Musikbeiträge, die sind auf SpOn meistens eh unter aller Sau.
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Blödzeitung war gestern, heute ist SchmirgelOnline,…
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Also ganz ehrlich Moritz, ich bin der Meinung, dass der SPIEGEL seit dem Weggang von Stefan Aust wieder besser geworden ist. Was unter der Amtszeit von Aust abgegangen ist hatte mich auch dazu geführt das Nachrichtenmagazin nicht mehr zu lesen.Zu liberal, zu Boulevar und als Ende 2005 die Wahlkampfhilfe für CDU und FDP kamen war mir das alles zu viel.
Und wenn man bedenkt, dass der neue Chefredakteur von Blumencron erst seit Februar 2008 im Sessel sitzt, so sollte man ihm vielleicht noch etwas Zeit geben um am Ende auch noch die letzten konservativen und boulevartesken Kräfte aus der Zeitung zu schieben.
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Weitere gute Alternative zu SpOn ist “Neues Deutschland”, auch ein linkes (sozialistisches) und wirklich gutes Blatt. Siehe Neues-Deutschland.de.
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Leider hat sich die Qualität der Beiträge von Spiegel Online im Laufe der Jahre ziemlich gewandelt. Ob man das nun mit der BILD vergleichen kann, bleibt dahingestellt. Fakt ist jedoch tatsächlich, dass das Niveau mal höher war…








Ja, über den Artikel habe ich mich auch geärgert, aber wenn du dich darüber beschwerst, beschwere ich mich über die sehr BILD-artige Überschrift dieses Eintrages.
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