Zensursula und wie ein Haufen Schwätzer zu siegen scheint
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| Foto: flickr – stephan.luckow |
Wenn man sich die Kommentare zu Zensursula in den verschiedenen Zeitungen ansieht, kann man diese leicht in zwei Lager aufteilen. Da hätten wir zuerst einmal die erste Gruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt, die Argumente der Gegner des Gesetzes untersucht und dabei zum gleichen Schluss wie diese kommt, oder die zweite Gruppe, die die blinde Propaganda der großen Koalition ohne mit der Wimper zu zucken aufnimmt und sich kein bisschen dafür interessiert, wie es in der Realität aussieht.
Einen wirklich gelungenen Kommentar zu den aktuellen Gegebenheiten gibt es meiner Ansicht nach auf der Website der Zeit und ich denke zumindest hier kann man froh sein, dass die Journalisten einer großen Zeitung wie dieser nicht blind und ohne jegliche Recherche in einen Eimer voller Märchen springen.
Weniger erfreut bin ich hingegen von Herfried Münkler (via helmi), bei dessen Aussagen ich mir wirklich Sorgen um die Informationspolitik dieses Landes mache. Bei einem Kommentar wie diesem habe ich natürlich sofort an das Niveau der BILD-Zeitung gedacht – und was schreibt die?
Sie kämpft mit Verve für den Schutz unserer Kinder: Familienministerin Ursula von der Leyen (50, CDU) forderte seit Langem ein Gesetz, das den Zugang zu Kinderporno-Seiten im Internet erschwert. Jetzt hat sich die Koalition auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Geplant sind u. a. Stoppschilder, die vor einschlägigen Websites warnen.
Mir ist schlecht. So richtig. Die meistverkaufte ‘Zeitung’ Deutschlands macht ihrem Namen mal wieder alle Ehre, propagiert ohne Unterlass und sorgt so dafür, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung weiterhin uninformiert bleibt. Was für ein Mensch muss man sein, um so dreckig in der Öffentlichkeit lügen zu können, ohne sich dafür zu schämen? Ich will es gar nicht wissen.
Fakt ist, dass da gerade mächtig was anbrennt. Zwar stellt sich der Online-Beirat der SPD gegen den Beschluss der Partei – was man wirklich anerkennen sollte -, aber ich denke nicht, dass er damit etwas erreichen wird. Ganz einfach deshalb nicht, weil die Sozialdemokraten bis heute glauben, sie müssten der Union nacheifern und ihr die rechtsorientierten Wähler wegschnappen. Dass das nicht funktioniert, haben wir bei den letzten Wahlen gesehen, nichtsdestotrotz verfolgt die Partei diese Strategie weiter – Intelligenz ist scheinbar nicht jedermanns Sache.
Die Piratenpartei gibt sich trotz alledem nicht geschlagen und plant gerade in mehreren deutschen Städten Demonstrationen unter dem Motto “Löschen statt Sperren”. Wie wirkungsvoll die am Ende sein werden ist jetzt noch nicht abzusehen, aber eines kann man schon heute festhalten: die große Koalition versaut es sich gerade mit vielen zukünftigen Wählern, in dem sie ohne Hintergrundwissen Gesetze auf den Weg bringt, die ihr eigentliches Ziel komplett verfehlen und gleichzeitig den Weg für eine Zensur im Internet freimachen. Dass das nichts mit irgendeinem rechtsfreien Raum zu tun hat, kann jeder erkennen, der sich ein bisschen mit der Thematik auseinander setzt.
Zu Beginn der Diskussionen erschien mir das alles wie ein gewaltiger Witz, aber langsam merke ich, dass es keiner mehr ist. Nein, das ist kein Monster-Joke über den man lange lachen kann, sondern eine bittere Fehlentwicklung, die uns in der Zukunft noch viel Ärger bereiten wird. Na dann Prost…
7 Kommentare
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Kommt ganz auf die Fragestellung an würde ich sagen :)
Wenn jemand mich fragen würde, ob ich mich politisch Engagiere, in Parteien oder so, dann würde ich auch nein Antworten, das macht mich aber nicht zu einen unpolitischen Menschen oder?
Ganz treffend hat mein ehemaliger Chef Timm Klotzek unsere Generation mal zu beschreiben versucht. Wir sind demnach nicht unpolitisch, sondern pragmatisch und ideologieresistent.
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… Hätte es das Engangement der Politikertochter aus Niedersachsen nicht gegeben, wäre das Netz in den letzten Monaten bzw., wenn man die Aktionen gewisser Rollstuhlfahrer mitrechnet, Jahren nie derartig politisiert worden, wie dem der Fall ist. Danke dafür, Frau von der Leyen, danke, dass sie uns durch ihr Verhalten Möglichkeit und Anlass dazu gegeben haben Ihnen und Ihresgleichen das politische Grab zu schaufeln. …
Pings
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[...] Sockenblog: Zensursula und wie ein Haufen Schwätzer zu siegen scheint [...]
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[...] die das ganze Unglück noch einmal umfangreich durchdeklinieren, Leute wie meinen Namensvetter vom Sockenblog, die schonmal schwarze Farbe auf Vorrat kaufen und solche, die sich in höhere Sphären steigern [...]





Naja ich weiß nicht ob wir das noch kippen können. Soweit ich weiß gehen die ganzen Internetnerds nicht gerne aus dem Haus…
PS:habe letztens gelesen, dass nur 17% aller 20 – 35 jährigen Menschen sich politisch nennen würden.