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ripRock im Park 2009 ist zu Ende und ich bin wohlbehalten zu Hause angekommen. Zuerst habe ich natürlich ein schönes warmes Bad genommen, um den Dreck der letzten Tage von mir abzuwaschen und jetzt sitze ich hier und lasse all die guten, aber auch die schlechten Erlebnisse und Erfahrungen noch einmal durch meinen Kopf wandern. Ja, ihr habt richtig gelesen: es gab auch einige Dinge, die mir nicht gefallen haben, obwohl ich insgesamt doch sehr positiv auf das Festival zurückblicken kann.

Am Donnerstag sind wir ungefähr um 13:00Uhr am Volksfestplatz in Nürnberg angekommen, wo wir schon einmal negativ überrascht wurden: die vorderen Campingplätze waren bereits alle voll. Alle? Nein, nach zwei qualvollen Stunden des Gepäckschleppens haben wir doch noch eine kleine Stelle an einem Hang gefunden, auf die unsere Zelte gepasst haben. Hier muss man allerdings wirklich anmerken, dass wir den Platz mehr als beschissen gewählt haben, da der Boden so uneben gewesen ist, dass man sich beim Schlafen richtig mit den Füßen am unteren Zeltrand abstützen musste, um nicht den Hügel herunter zu kullern. Trotzdem hat sich die Sache ausgezahlt: im Gegensatz zu vielen anderen mussten wir ‘nur’ knappe 15 Minuten bis zu den drei großen Bühnen laufen.

15 Minuten und dann stand man da, vor der Alternatstage und dachte sich: “Scheiße! Das ist groß!” Und fünf Minuten später stand man vor der Centerstage und dachte das gleiche noch einmal vier Schriftgrößen größer: “Scheiße! Das ist ja noch viel größer!” Ja, die Bühnen waren groß -- sowas kennt man als ‘In-die-kleinen-Bars-und-Clubs-Gänger’ dann doch nicht.

Aber nicht nur die Größe der Bühnen hat bei mir einen guten Eindruck hinterlassen, sondern auch das Niveau vieler Bands, die dort gespielt haben. Ich will aber gar nicht auf jedes Konzert eingehen, sondern einfach ein paar Eindrücke zusammenfassen. Mit Abstand am besten gefallen hat mir der gigantische Auftritt von Jan Delay und seiner Band Disco No. 1. Musikalisch einfach top, mit viel Humor und tollen Ideen haben sie dem Publikum so richtig eingeheizt und man hat klar gemerkt: Das sind nicht irgendwelche Stars, die auf uns scheißen. Das sind Musiker, die mit uns Spaß haben wollen.



(Ich stehe springe so circa fünf Meter links von der Kamera)

Der zweitbeste Auftritt kam für mich von Limp Bizkit, dicht gefolgt von Kettcar und Flogging Molly. Letztere hatten mit dem Wetter ein ziemlich großes Pech und leider auch keinen Jan Delay, der nach eigenen Angaben extra einen Vertrag mit Steve Jobs abgeschlossen hatte, damit das Wetter gut bleibt, aber so gab es zum genialen irischen Rock eben noch ein paar Schlammschlachten im Regen -- Woodstock lässt grüßen.

Was mir hingegen überhaupt nicht gefallen hat war der Gig von Mando Diao, die ich ja doch sehr schätze. Auf der Bühne haben die Jungs aus Schweden für mich aber komplett versagt -- das war musikalisch zwar gut, das Programm war jedoch richtig schlecht zusammengestellt und man hat deutlich gemerkt, dass sich da jemand wie auf dem Olymp gefühlt… nichts für mich.

Ebenso missfallen hat mir die Einstellung des Sicherheitsdiensts, dessen Mitarbeiter immer wieder völlig überzogen reagiert haben. Teilweise gab es Situationen, die mich an den 1.Mai in Ulm erinnert haben und das, obwohl die Pläne des Festivals schon seit Monaten ausliegen. Das hat die Security aber nicht daran gehindert, die Festivalbesucher teilweise unter aller Sau zu behandeln, anzuschreien oder zusammenzudrängen -- in meinen Augen einfach nur unprofessionell und lächerlich. Lächerlich waren nebenbei bemerkt auch die Preise für das Essen -- aber das war ja abzusehen.

Zu guter Letzt hat das Festival auch verdeutlicht, wie viele arme Menschen es in unserem Land gibt. Arme Menschen, die sich um jede Pfanddose schlagen, um ihr Überleben zu sichern. Arme Menschen, die den Musikfans am liebsten die volle Bierflasche aus der Hand reißen würden. Und das in einem Land wie Deutschland, das sich selbst als Sozialstaat hinstellt -- und unsere Politiker behaupten allen ernstes, Hartz IV sei hoch genug?

Alles in allem kann ich aber doch sagen, dass ich wahnsinnig viel Spaß hatte und Rock im Park 2009 bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hat. Ich war wirklich überrascht, wie gut viele große Bands sich in die Massen integrieren, so dass nicht der Eindruck ensteht, sie würden nur wegen des Geldes auftreten. Außerdem habe ich auch einige neue Interpreten kennen gelernt, von denen ich mir in unserer Bücherei demnächst ein paar Alben ausleihen werde.

P.S.: Zitat der Woche (Besoffener in Unterhose): “Ey Leute! Ich hatte mal eine Hose. Wisst ihr vielleicht wo die ist?”

10 Kommentare

  1. Dein erstes großes Festival? Meiner Erfahrung nach sind die Sicherheitsleute immer so, egal auf welchem etwas größerem Festival. Da kommt es eigentlich immer vor, dass irgendwelche übermotivierten Men in Black kommen und harmlos feiernde Leute auseinanderpflücken :)

    Ist scheiße, gehört aber irgendwie dazu.

    Ich finds im Übrigen sehr gut, dass immer mehr Leute Mando Diao kacke finden :P

    Was die Flaschensammler angeht, die sind alles andere als arm oder bemitleidenswert, das Flaschensammeln auf Festivals ist generalstabsmäßig geplant und eine richtig fette Einnahmequelle. Damit kann man sich sogar sein Eintrittspreis wieder reinsammeln ;)

    Ach so, ein Festival ohne Regen ist kein Festival und das sag ich, der beim legendären Überschwemmungsfestival Hurricane 2006 im über das Festivalgelände geschwommen ist. :D

    • Naja, die Flaschensammler sind vielleicht nicht alle arm, aber richtig wohlhabend sehen die meisten von ihnen auch nicht aus ;-)

      Ich war 2008 für 30min bei EnergyInThePark in Berlin, sonst habe ich mich von größeren Festivals bisher fern gehalten. Ich finde auch nicht, dass ich auf sowas unbedingt einmal im Jahr muss – ist eine tolle Erfahrung, aber ich bevorzuge nach wie vor das Kleine.

  2. Dito, groß ist immer wieder ein Erlebnis, aber ich finde die kleinen auch besser :)

  3. Madnees, hm? Madness! Hm??

    Oh, noch jemand, der die Entwicklung von Mando Diao nicht so dufte findet, schön!
    Und Flaschensammler gibt es (leider) immer, wenn es irgendwo eine Veranstaltung mit mindestens einer dreistelligen Zuschauerzahl gibt.

    Ich bin übrigens dieses Jahr voraussichtlichhoffentlichvielleicht auf dem Melt! Das ist voll kuhl, weil man den Namen langziehen kann. Meeeeeeeeeeeeeeeeeelt!
    (Oh und beim Open Source-Festival in Düsseldorf [mit The Streets und Tocotronic] und beim Bochum total! bin ich auch noch. Ich bin cool!!111)

    • Madness war ich nicht, da hab ich gerade meine Kleidung über dem Gaskocher getrocknet, um pünktlich zum Auftritt von Bloc Party wieder an den Stages zu sein.

      • Zu Madness nicht gehen? Aber zu Bloc Party? Und dann auch noch Kettcar gutfinden? Nee, also nee… nu wirklich nicht. Meine Achtung für dich sinkt grade ins bodenlose. Also wirklich… Nee, ey! :D

  4. hmm, flogging molly und madness waren da? und ich nicht? mist!

  5. @Tobias K: Kettcar war sowas von genial, die haben die Massen richtig zum Tanzen gebracht. Und Bloc Party war auch nicht so schlecht, wie ich dachte: im Gegensatz zu Mando Diao sind die wenigstens noch aufs Publikum eingegangen.

Pings

  1. [...] Kommentar zu Rock im Park 2009 vom Sockenblog [...]

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