Der Weg ins Paradies muss kein weiser sein
Der amerikanische Arzt George Tille wurde gestern von einem Abtreibungsgegner erschossen, weil er seit Jahren Schwangerschaftsabtreibungen durchführt. (sueddeutsche) Das heißt also, dass ein Mensch, der gegen das Töten von anderen Menschen ist, einen Menschen umgebracht hat – logisch oder komplett behämmert?
Ich denke der Mörder hat das Ganze etwas anders gesehen: er ist der Held, der den großen Massenmörder tötet und dadurch tausende Menschenleben rettet. Doch der Otto-Normaldenker sieht gleich: diese Tat ist in etwa so sinnvoll wie der Versuch, den Deutschen Fußballbund zu schädigen, in dem man zwei Lederbälle im Aldi mit einem Messer aufschlitzt. Das einzige Resultat hierbei ist, dass man alle Fußballgegner in ein schlechtes Licht rückt und selbst auch noch bestraft wird – genau wie in diesem realen Mordfall.
Der Mörder dürfte also wirklich ein Irrer sein, wenn er glaubt mit seiner Tat etwas erreichen zu können. Gleichzeitig ist er nur ein weiteres Beispiel dafür, dass ultrakonservative Christen – und ich gehe davon aus, dass der Mann Christ war – ihren Weg ins Paradies wie ein paar blinde Hühner entlanglaufen und dabei bereit sind Dinge zu tun, die ihrem eigenen Glauben eigentlich widersprechen sollten.
Doch genau das scheint das Problem zu sein. Der Glaube macht diese Menschen blind und so helfen sie niemandem, ignorieren das Prinzip der Nächstenliebe und tun nur das, was ihnen selbst einen Vorteil verschafft. Das hat dann zwar nicht mehr viel mit den – in den Kirchen gepredigten – Friedensworten zu tun, aber wer will schon Frieden, wenn er auch ins Paradies kann?
Diese Arroganz, die bei vielen gläubigen Christen vorzufinden ist, ist der Hauptgrund für meine Ablehnung gegen diesen Glauben. Ich will nicht von anderen dazu gezwungen werden, das zu tun, was sie wollen. Ich will selbst entscheiden dürfen, an was ich glaube oder nicht und wenn ich an nichts und niemanden glaube, dann möchte ich von denen, die an etwas glauben trotzdem normal behandelt werden – andersherum mache ich es ja genauso, solange der- oder diejenige mich nicht bekehren will.
Tom hat auf der lastfm-Seite des Künstlers Ganjaman auch ein Beispiel für diese sture Intoleranz ausfindig gemacht, dessen Inhalt ich nur ablehnen kann. Zum Namen des Künstlers wurde an seiner Pinnwand geschrieben:
kann er sich nicht umbenennen ??? Drogenverherrlichung oder -Verharmlosung passen nicht zum echtem Glauben christlicher Spiritualität !
Wenn ich so etwas lese, fühle ich mich dazu gezwungen, mir meinen Kopf auszureissen und ihn mit voller Wucht gegen die Wand zu klatschen. Drogenverherrlichung passt nicht zum christlichen Glauben? Na prima, und was ist mit Massenmord? Wer hat denn bei den Kreuzzügen im Namen des Glaubens reihenweise Menschen umgenietet, nur weil sie andersgläubig waren? Und das lässt sich mit dem christlichen Glauben vereinen? Außerdem spielt Alkohol in der Kirche auch eine wichtige Rolle, man könnte also auch hier von Drogenverherrlichung reden.
Aber nein, man gibt sich lieber rechthaberisch und zeigt auf die anderen. Dass ein Musiker sich seinen Namen aussuchen darf, wie es ihm beliebt, spielt dabei absolut keine Rolle mehr und überhaupt und sowieso folgt man ja dem einzig wahren Glauben und hat immer recht, weil.
16 Kommentare
-
Erstmal Kompliment zu einem wirklich guten Artikel (mal wieder).
Ganjaman ist ein deutscher Reggae-Artist und bekennender Rastafari, eine “Religion” mit christlichen Wurzeln, die sich aber ganz klar von den Kirchen (insbesondere von der Katholischen) distanziert und u.a. die Ideologie vertritt, dass der Mensch allein dafür verantwortlich ist, sich sein Himmelreich auf Erden schon zu Lebzeiten zu schaffen.
Ich selbst kann mit Rastafari nicht sehr viel anfangen, ich extrahiere für mich mehr den sozialkritischen Kontext seiner deutschen Songtexte, wo Reggae m.E. viel zu bieten hat.
Die christlichen Fundis sollten erst mal vor der eigenen Türe kehren, bevor sie andere der Drogenverrlichung bezichtigen. :x
-
Ich würde ja sehr gerne etwas produktives zu diesem meiner Meinung nach sehr guten Eintrag schreiben, aber das kann ich leider nicht
weil mir dazu einfach nichts einfällt und ich nur stumpf zustimmen kann, weil du schon das beste gesagt hast. :)Deshalb erweise ich mich einfach als überaus nützlich, zuvorkommend und helfend, in dem ich erkläre, dass Julia mit dem Bearbeiten wohl die Zeit von dem Ajax Edit Comments Plugin meint, die man zur Verfügung hat, um seinen Kommentar zu bearbeiten.
EDIT: aber wie ich erst jetzt sehe, hast du es ja bereits erkannt. Welch Ironie, dass ich eben diese Funktion jetzt nutze um diesen Edit hier hinzuzufügen.
Aber ich kann ja noch etwas nützliches tun, indem ich darauf hinweise, dass auch bei mir der Kommentar eine riesige Lücke besitzt, wie auf diesem Bild festzustellen ist: http://screendash.com/4804
Für das Troubleshooting solltest du mal probieren dich auszuloggen und als Gast einen Kommentar zu schreiben, solltest du keien Lücke sehen.PS: das ganze hier ist natürlich nur ein hinterlistiger Vorwand, dich mal wieder auf Wosch zu locken. Und einen Link dazu zu hinterlassen. Mal hoffen, dass ich nicht im Spamfilter steckenbleibe.
-
Mh, lehnst du jetzt den christlichen Glauben wegen den Fundamentalisten ab? Da würdest du aber den ganzen moderaten oder “normalen” Christen unrecht tun, die keine Probleme mit anders denkenden Menschen haben.
Ich bin jetzt auch nicht der große Christ, habe aber trotzdem größtenteils sehr tolerante Gläubige kennengelernt. Selbst Priester die ich kenne, egal ob katholisch oder evangelisch, sind eigentlich erstaunlich offen für alle Strömungen und Ideen.
Die große Masse der Gläubigen sind keine Fundamentalisten und alles andere als engstirnig. Es wäre in etwa dasselbe zu behaupten, alle Moslems seien Terroristen.
Fundamentalismus hat mit dem Glauben an sich eigentlich nichts zu tun, egal ob bei Moslems, Christen oder sonstige Religion. Es ist eher eine Perversion des Glaubens. Wichtig wäre, dass man solche Fundis genau als das bloßstellt, was sie sind, engstirnige Fanatiker, von denen man sich distanzieren sollte.
-
@Moritz: Gut. Ich dachte schon du bist so ein Atheisten-Fundamentalist :D
-
provinzblogger, es ist wohl wahr, dass der allergrößte Teil aller Angehörigen von Glaubensgemeinschaften gemäßigt ist (und hoffentlich auch tolerant), doch das gilt genauso für “Die Atheisten” (die es als Organisation ja gar nicht gibt und wenn man die schwache Definition nimmt, zahlreicher als alle anderen Glaubensgemeinschaften zusammen sind).
Das Problem ist aber, wie Moritz schon sagte, dass eben die Extremen die Anführer sind und diejenigen, die auffallen. Der Unterschied ist, dass ein fundamentaler Christ aus Überzeugung töten würde (und tut), ein Atheist aber niemals. Und wenn du jetzt mit Hitler und Stalin kommst, dann lies bitte mal hier (speziell Punkt 2 der Aufzählung):
http://cimddwc.net/?p=1810&langswitch_lang=dePS: das zerschossene Layout hat sich ja mittlerweile erledigt. Ich glaube es lag daran, dass so viele Kommentare zu dem Beitrag mit dem ellenlangen Titel abgegeben wurden und dann die Seitenleiste etwas gesprengt wurde.
-
@juliaL49: Also das ist jetzt aber weit ausm Fenster gelehnt, dass die Extremisten die Anführer der Glaubensrichtungen sind. Da müssen wir aber mal die Kirche oder Moschee im Dorf lassen, die Fundamentalisten sind in allen Religionen eine Minderheit und auch wenn der Papst sehr konsverative Ansichten pflegt, macht ihn das nicht zum Fundamentalisten.
Und das mit dem Atheisten-Fundamentalist, war ein Witz, erkennbar am -> :) Ich komme also auch nicht mit Hitler und Stalin, Menschen können mit und ohne Glauben dämlich sein.
-
Mjoa, den Papst würde ich je nach Definition schon als Fundamentalisten bezeichnen. Wenn der als Oberhirte nicht müde wird, den katholischen Glauben als den einzig wahren zu bezeichnen, Homosexualität und Verhütung zu verdammen, dann hat das etwas sehr Fundamentales (im Sinne von extrem und unverbesserlich).
PS: Moritz bittebittebittebitte installier mal das Subscribe to comments-Plugin
-
Na da hast du wohl irgendwo auch wieder recht julia, das Ratzi-Benedikt eigentlich mal ein ziemlicher Reformator war, kann man gar nicht mehr glauben. All die Jahre als oberster Inquisitor haben ihn da wohl nicht gut getan :)
Ich bleib aber dabei, dass es ein bisschen unfair ist, einer Religion immer nur ihre Fehler und schlechtesten Vertreter vorzuwerfen. Das zeugt dann doch irgendwie von Intoleranz – und gerade das wird den Religionen hier ja vorgeworfen.
-
-
Neue Funktionen gefallen (Design auch), … was ich aber mal loswerden wollte:
“Nicht Gott hat die Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott!”
-
… mit E-Mail Benachrichtigungsfunktion – cool, darauf habe ich schon länger gewartet! ;)
Original Zitat lautet übrigens: “I like gods. I like them very much. I know exactly how they feel – exactly.” -” Jerry, don’t forget. The gods have not created man. Man has created gods.”
Nein, das Zitat ist leider nicht von mir, sondern aus dem Film Le mépris (die Verachtung) von Godard. Auch aus dem Film kommt: “Now it’s no longer the presence of God, but the absence of God, that reassures man. It’s very strange, but true”
Herrlich nicht? Solltest dir den Film unbedingt mal ansehen. Godard ist ein Genie.
Natürlich habe ich nichts gegen Nintendo in diesem Blog, im Gegenteil, würde mich freuen! Die E3 hat ja einig neues zu bieten: Mario Galaxy 2, neues Zelda angekündigt, neues Metroid Prime, …! Auch Microsoft scheint sich wieder nach vorne zu heben. Hast du die E3 Berichte gesehen der drei Hersteller? Kann dir auch Videos schicken. Auch Mac hat ein neues iPhone präsentiert. Der Kapitalismus geht also auch in der Wirtschaftskrise munter weiter :D




Ach, die fundamentalen Christen und ihre Logik! Mit Moral hat das wirklich nichts zu tun, aber die wähnen sich im Recht, weil der Doktor durch seine Tätigkeit noch viel schlimmere Sünden begeht. Von Homosexuellen wollen wir mal gar nicht anfangen. Aber davon wird sehr wohl in den Kirchen gepredigt und wohl weniger von Nächstenliebe und Frieden. Von wegen dass die Jungs im Irak doch bitte vom guten, lieben, weisen Gott beschützt werden sollen!
(dass George W. Bush sich auf Gottesmission wähnt und so auch den Irakeinmarsch rechtfertigte gehört nicht hierher, aber es sollte bekannt werden)
Zum Last.fm-Beispiel: was ich dabei nicht verstehe ist der Christenbezug überhaupt! Ist Ganjaman ein bekennder Christ? Ist er dem sog. Christian Rock zuzuordnen? Wenn nein, warum ist seine “Drogenverherrlichung” überhaupt relevant?!
Nachtrag: was hast du mit dem Layout gemacht? Mein Kommentar hat einen halben Meter Platz!
Und: du solltest die Zeit fürs Bearbeiten deutlich herabsetzen. 5 oder 10 Min reichen doch auch, um etwaige Fehler zu berichtigen oder kurze Nachträge zu schreiben