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The Pirate BayNach vielen kleineren Fällen von Zensur und Sperren im Internet ist vielen Nutzern klar gewesen, dass das nur der Anfang sein kann. Der Anfang etwas Großen, das sich gegen die Modernisierung durch das Internet wendet und alles tut, um sie zu stoppen. Das zwingt die Beteiligten scheinbar oft dazu, sehr unlogische Schritte einzuleiten, die ihnen selbst mehr schaden als helfen, aber in der Not stellt der Teufel sein Gehirn eben einfach ab. Plattenfirmen lassen beispielsweise ihre Musikvideos auf YouTube sperren, obwohl ihnen dadurch eine kostenlose Möglichkeit für gut verbreitete Werbung entgeht und auch wenn ich dieser Studie (via 49suns) nicht ganz traue, glaube ich doch, dass sich die Herrscher der Musikindustrie durch Schritte wie diesen selbst ans Bein pinkeln – einerseits durch die Verschlechterung ihres Rufs und andererseits durch das Ablehnen dieser großartigen Werbemöglichkeiten.

Doch um diesen Fall soll es hier gar nicht verstärkt gehen, sondern um die voraussichtliche Haftstrafe für die vier Angeklagten im Fall der Kopier-Seite “The Pirate Bay”. Die vier Betroffenen, von denen lediglich zwei an der Programmierung der Seite beteiligt sind, wurden zu jeweils einem Jahr Haft und 3,6 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt. Dabei liefern sie ihren Nutzern gar keine kopierten Dateien, sondern helfen ihnen lediglich beim Finden des gewünschten Objekts.

Ich habe die Seite nie besucht oder benutzt, aber das System kenne ich von anderen Anbietern und ich bin voll und ganz der Meinung, dass die Betreiber solcher Angebote sich absolut im legalen Bereich aufhalten. Schließlich steckt man doch auch keinen alten Mann ins Gefängnis, nur weil er zwei Jungen sagt, dass ihre Nachbarin ihr Geld in einer kleinen Schatulle versteckt und die Frau zwei Tage später ermordet aufgefunden wird. Klar, bei dem Mord handelt es sich um eine Straftat, aber der alte Mann hat doch nichts Illegales getan, sondern die Mörder der Frau.

Ich gebe zu, dass das Problem bei den Bit-Torrent-Trackern ein bisschen verzwickter ist, weil sie ihren Nutzern bewusst helfen, etwas Illegales zu tun, aber ganz abgesehen davon, dass diese Entwicklung sowieso nicht mehr aufgehalten werden kann und sich allen Angriffen von Gesetz und Großkonzernen widersetzen wird, macht es doch keinen Sinn, statt den eigentlichen Tätern und den Betreibern anderer Seiten die Besitzer einer einzigen Seite in den Knast zu stecken. Wenn, dann sollen die wirklichen Täter bluten, und zwar alle – ihre Zahl dürfte sich inzwischen auf mehrere Millionen belaufen, aber egal… ab in den Knast mit ihnen. Ach, das ist Blödsinn? Natürlich ist es Blödsinn und noch viel größerer Blödsinn ist es, all diese Millionen Menschen auf freiem Fuß zu lassen und vier Einzelpersonen einzusperren um nachts der eigenen Ehefrau sagen zu können: “Heute habe ich Großartiges im Kampf gegen das Verbrechen geleistet.”

Ich für meinen Teil muss sagen, dass mir diese Entwicklung Angst macht. Und zwar nicht das Verhalten der zigmillionen Menschen, die sich den neuesten Film schon vor der Veröffentlichung auf den Rechner saugen, sondern das derer, die sie dafür ins Gefängnis bringen wollen. Im Forum von Heise.de (via nerdcore) gibt es einen netten Kommentar zur Aussage, dass den Angeklagten bewusst gewesen sei, dass urheberrechtlich geschütztes Material über ihre Plattform getauscht wird:

Vor dem Hintergrund dass einem Waffenhersteller sicher auch bewußt ist dass mit seinen Produkten Menschen ermordet werden. Als Hersteller ist er also dieser Logik nach auch für die Morde verantwortlich.

Genau das ist mein Problem bei der Sache: es trifft einfach die falschen Leute. Aber da man nicht die richtigen einsperren kann, weil es schlichtweg zu viele sind, sollte man sich eventuell Gedanken darüber machen, wieso so viele etwas Illegales tun. Tun sie es, um die Plattenfirmen zu ärgern? Oder tun sie es vielleicht, weil sie mit der Firmenpolitik der Großkonzerne nicht zufrieden sind, keine Lust haben, überteuerte Preise zu zahlen und – jetzt kommt der springende Punkt – weil wir in einer Zeit leben, in der es einfach einfacher geht? In der man nicht mehr in den Laden rennen muss, um die neue Beatles-Platte zu kaufen, weil man sie sich auch für lau auf den Rechner ziehen kann.

Ich sage nicht, dass dieser Umstand nicht unproblematisch ist, weil das nicht stimmt. Viele kleinere Künstler haben aus genau diesen Gründen mit ihrer Existenz zu kämpfen, aber komischerweise sind es nicht sie, die sich aufregen, sondern die Multimillionäre. Reiche Schauspieler, Filmproduzenten und Firmen, deren Geschäft trotz einbrechendem DVD-Verkauf sehr gut läuft. Und weil diesen Leuten ein paar Millionen durch die Lappen gehen, verklagen sie andere, die sich eine Million nicht einmal im Traum vorstellen können. Prima, was kommt als Nächstes?

Quelle: sueddeutsche.de

Pings

  1. [...] Stellung beziehen: Tutsi, Freiheitblog, Sockenblog, Webblogger, Provider-Störung, Politplatschquatsch, Netzpolitik, 4Topas und Fearblog Filter, [...]

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